Timo Parvela, Ellas Klasse und die gigantische Weihnachtsfeier, Hanser Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Der inzwischen neunzehnte Band der
Ella-Reihe handelt – wieder einmal – vom Thema Weihnachten, das aber, so merkt
man rasch im Rahmen der Lektüre, eher am Rande. Denn konkret behandelt wird
vielmehr ein ernstes Sujet: die Kürzung der Geldmittel selbst für Schulen und
die insoweit untauglichen Verweise darauf, notwendige Gelder eben selbst zu
generieren. Das kann ja nur schiefgehen, an Ellas Schule ohnehin.
Wie ist die personelle Ausgangslage? Ella
geht inzwischen fast, wie sie betont, in die dritte Klasse, das heißt die
vielen Abenteuer werden nach wie vor in einem Zeitraum gehalten, der zugleich
weltfremde und doch neunmalkluge Kinder als Protagonisten haben kann. Die
bisher ausgebildeten Charaktere werden als bekannt vorausgesetzt und nicht mehr
gesondert vorgestellt, sodass man schlicht wissen muss, wie knurrig der Rambo,
wie klug Timo, wie heulsusig Mika und wie dödelig Pekka ist. Der sorgt als
Sidekick immer noch für die präzisen Lacher, aber wenn man die Figuren nicht
schon kennen sollte, ist es manchmal mit dem Verständnis schwer, warum sich
dieses Mädchen oder jener Junge exakt so benehmen wie gerade gelesen. Gleiches
gilt für die Verweise auf frühere Erlebnisse, etwa die Rauschebart-Episode, die
gleich mehrfach Erwähnung findet. Der Lehrer, den die Kinder immer noch sehr
gern haben, ist inzwischen sogar Direktor der kleinen Grundschule, da seine
Frau mit dem Nachwuchs zuhause weilt und Pekkas Mutter, die frühere Direktorin,
ja inzwischen im Schulamt übergeordnet tätig ist. Die zwischen diesen Personen
bestehenden emotionalen Besonderheiten müssen ebenfalls hinzugedacht werden, um
einige der Dialoge richtig einordnen zu können.
Jedenfalls hat der Lehrer nunmehr als
Direktor gehörig an der Problematik zu knabbern, dass keine Haushaltsmittel
mehr vorhanden sind, er also kein Bastelmaterial oder anderes Equipment für die
Weihnachtsfeier beschaffen kann. Das Ganze geht er wie gewohnt
blauäugig-großspurig an, will Unternehmer mit den Kindern werden, entwirft
krude Geschäftsideen und wirft erst einmal privat geliehenes Geld zum Fenster
hinaus, indem er sich mit Statussymbolen ausstaffiert, die seiner Ansicht nach
zu einem Firmenleiter gehören. Natürlich geht alles herrlich schief und die
Konfrontation mit der Realität und diesmal sogar den Ermittlungsbehörden nehmen
die Kinder klaglos und mit staunenden Augen hin – befinden sie sich doch auf
einem ganz eigenen Erkenntnispfad. Denn die Kinder fanden beim Büchersortieren
eine scheinbar antiquierte und geheime Bauanleitung für eine Maschine, die mit
dem richtigen Zauberspruch unermessliche Reichtümer hervorbringen soll. Schon
die Herstellung ist – in oben erwähnter Ermangelung der nötigen Baumaterialien
– eine Herausforderung und nur gehöriger Slapstick (Pekkas Haargel…) sorgt für
die Vollendung des sagenhaften Geräts. Das erfüllt letzten Endes auch seinen
Zweck, aber irgendwie ganz anders als erwartet. Und zu Geld kommen – natürlich
– nur die Kinder, nicht der Lehrer, und zwar auf die simpelste aller
marktwirtschaftlichen Weisen: dem Tauschhandel mit Gütern, die sie just zum
richtigen Moment innehatten und jemand anderes dringend brauchte.
Das Buch liest sich recht rasch, sowohl
zum Vorlesen als auch für Leseanfänger, die zudem mit den schönen
Teilillustrationen begleitet werden. Es entwickelt sich dank des oben genannten
Verzichts auf Rückblenden und viele Erklärungen rasch ein stringentes,
wenngleich Ella-typisch unlogisches Erzählerlebnis. Wenn man schon viele
Ella-Bücher gelesen (oder gehört) hat, geht es fast ein bisschen zu schnell
voran, der Lehrer scheitert zu schnell und zu hart, die Klasse kommt ohne
wirkliche Hindernisse zu einem erfreulichen Rettungs-Ergebnis. Die heiteren
Momente, gerade dank Pekka, gibt es natürlich und die Figuren sind allesamt
sympathisch, selbst der Klassenlehrer in seiner Überdrehtheit als vermeintlich
kompetenter Direktor. Denn dieser sorgt am Ende für einen herzerwärmenden
Moment, der auch so typisch für die Ella-Geschichten ist. Insofern bleibt das
Fazit: ein typischer Ella-Band, also liebevoll, lustig, herzlich, der aber ein
bisschen zu glatt, ein wenig zu rasant geraten ist, um die Begeisterung der
früheren Werke auszulösen.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 26.09.2022
- Seitenanzahl: 128
- Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3446274303
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