Sonntag, 5. März 2023

Timo Parvela, Ellas Klasse und die gigantische Weihnachtsfeier

Timo Parvela, Ellas Klasse und die gigantische Weihnachtsfeier, Hanser Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Der inzwischen neunzehnte Band der Ella-Reihe handelt – wieder einmal – vom Thema Weihnachten, das aber, so merkt man rasch im Rahmen der Lektüre, eher am Rande. Denn konkret behandelt wird vielmehr ein ernstes Sujet: die Kürzung der Geldmittel selbst für Schulen und die insoweit untauglichen Verweise darauf, notwendige Gelder eben selbst zu generieren. Das kann ja nur schiefgehen, an Ellas Schule ohnehin.

Wie ist die personelle Ausgangslage? Ella geht inzwischen fast, wie sie betont, in die dritte Klasse, das heißt die vielen Abenteuer werden nach wie vor in einem Zeitraum gehalten, der zugleich weltfremde und doch neunmalkluge Kinder als Protagonisten haben kann. Die bisher ausgebildeten Charaktere werden als bekannt vorausgesetzt und nicht mehr gesondert vorgestellt, sodass man schlicht wissen muss, wie knurrig der Rambo, wie klug Timo, wie heulsusig Mika und wie dödelig Pekka ist. Der sorgt als Sidekick immer noch für die präzisen Lacher, aber wenn man die Figuren nicht schon kennen sollte, ist es manchmal mit dem Verständnis schwer, warum sich dieses Mädchen oder jener Junge exakt so benehmen wie gerade gelesen. Gleiches gilt für die Verweise auf frühere Erlebnisse, etwa die Rauschebart-Episode, die gleich mehrfach Erwähnung findet. Der Lehrer, den die Kinder immer noch sehr gern haben, ist inzwischen sogar Direktor der kleinen Grundschule, da seine Frau mit dem Nachwuchs zuhause weilt und Pekkas Mutter, die frühere Direktorin, ja inzwischen im Schulamt übergeordnet tätig ist. Die zwischen diesen Personen bestehenden emotionalen Besonderheiten müssen ebenfalls hinzugedacht werden, um einige der Dialoge richtig einordnen zu können.

Jedenfalls hat der Lehrer nunmehr als Direktor gehörig an der Problematik zu knabbern, dass keine Haushaltsmittel mehr vorhanden sind, er also kein Bastelmaterial oder anderes Equipment für die Weihnachtsfeier beschaffen kann. Das Ganze geht er wie gewohnt blauäugig-großspurig an, will Unternehmer mit den Kindern werden, entwirft krude Geschäftsideen und wirft erst einmal privat geliehenes Geld zum Fenster hinaus, indem er sich mit Statussymbolen ausstaffiert, die seiner Ansicht nach zu einem Firmenleiter gehören. Natürlich geht alles herrlich schief und die Konfrontation mit der Realität und diesmal sogar den Ermittlungsbehörden nehmen die Kinder klaglos und mit staunenden Augen hin – befinden sie sich doch auf einem ganz eigenen Erkenntnispfad. Denn die Kinder fanden beim Büchersortieren eine scheinbar antiquierte und geheime Bauanleitung für eine Maschine, die mit dem richtigen Zauberspruch unermessliche Reichtümer hervorbringen soll. Schon die Herstellung ist – in oben erwähnter Ermangelung der nötigen Baumaterialien – eine Herausforderung und nur gehöriger Slapstick (Pekkas Haargel…) sorgt für die Vollendung des sagenhaften Geräts. Das erfüllt letzten Endes auch seinen Zweck, aber irgendwie ganz anders als erwartet. Und zu Geld kommen – natürlich – nur die Kinder, nicht der Lehrer, und zwar auf die simpelste aller marktwirtschaftlichen Weisen: dem Tauschhandel mit Gütern, die sie just zum richtigen Moment innehatten und jemand anderes dringend brauchte.

Das Buch liest sich recht rasch, sowohl zum Vorlesen als auch für Leseanfänger, die zudem mit den schönen Teilillustrationen begleitet werden. Es entwickelt sich dank des oben genannten Verzichts auf Rückblenden und viele Erklärungen rasch ein stringentes, wenngleich Ella-typisch unlogisches Erzählerlebnis. Wenn man schon viele Ella-Bücher gelesen (oder gehört) hat, geht es fast ein bisschen zu schnell voran, der Lehrer scheitert zu schnell und zu hart, die Klasse kommt ohne wirkliche Hindernisse zu einem erfreulichen Rettungs-Ergebnis. Die heiteren Momente, gerade dank Pekka, gibt es natürlich und die Figuren sind allesamt sympathisch, selbst der Klassenlehrer in seiner Überdrehtheit als vermeintlich kompetenter Direktor. Denn dieser sorgt am Ende für einen herzerwärmenden Moment, der auch so typisch für die Ella-Geschichten ist. Insofern bleibt das Fazit: ein typischer Ella-Band, also liebevoll, lustig, herzlich, der aber ein bisschen zu glatt, ein wenig zu rasant geraten ist, um die Begeisterung der früheren Werke auszulösen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 26.09.2022
  • Seitenanzahl: 128
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3446274303

Link zum Buch:

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/ellas-klasse-und-die-gigantische-weihnachtsfeier/978-3-446-27430-3/