Vincent Zabus (Autor) / Nicoby (Illustration), Sofies Welt oder die Geschichte der Philosophie - Bis heute, Hanser Verlag
Vor vielen Jahren fesselte Jostein
Gaarders Roman „Sofies Welt“ Millionen von Lesern weltweit und hat sogar einen
eigenen Wikipedia-Eintrag. Viele haben versucht, auf der Welle der
Philosophie-Erklärbücher mitzuschwimmen, aber an die Einzigartigkeit von Sofies
Welt kam keines der Werke heran. Die Idee, den Roman als Graphic Novel zu
interpretieren, ist demgegenüber eher eine Verneigung vor Gaarder und seiner
Schöpfung und kein Versuch, daraus imitierend Kapital zu schlagen. In insgesamt
zwei Bänden hat das schöpferische Duo Zabus / Nicoby den Roman in Bilder und
Sprechblasen umgesetzt und so etwas ganz Eigenes geschaffen.
Der zweite hier vorgestellte Band stellt
die Geschichte der Philosophie vom Zeitalter der Aufklärung bis in die heutige
moderne Zeit dar. Problematisch ist natürlich der Einstieg, wenn man das Werk
als Standalone erwirbt und lesen möchte. Zwar entfaltet es nach kurzer Zeit
seinen inhaltlichen und optischen Reiz, aber man merkt rasch, dass man
eigentlich doch auch die bisherigen Ereignisse aus dem ersten Band kennen
möchte, um den Gesamtzusammenhang zu verstehen. Selbstverständlich schadet es
ganz und gar nicht, wenn man auch den Roman „Sofies Welt“ gelesen hat oder
zumindest in den wesentlichen Grundzügen kennt.
Zur Sprache kommen als pars pro toto
ausgewählte Vertreter einer philosophiegeschichtlichen Epoche, wenn diese
prägend waren und noch heute Gegenstand der Forschung sind. Alternativ werden
Zeitbereiche mit diversen Philosophen und ihren Denkmodellen thematisch
vorgestellt. So dürfen Sofie und Alberto mehrere herausragende Denker
kennenlernen, darunter Descartes, Spinoza, Marx, Darwin oder Freud. Weitere
Kapitel betreffen die Empiristen (darunter Locke oder Hume), den
Gesellschaftsvertrag (mit u.a. Rousseau und Hobbes), die Aufklärung mit ihrem
großen Protagonisten Kant oder auch die Romantik (mit z.B. Schelling und
Hegel). Das „20. Jahrhundert“ erfasst als Kapitel die großen französischen
Denker wie Sartre, Camus und de Beauvoir sowie Nietzsche.
Die Verknappung der Texte Gaarders in
Comicform ist eine besondere sprachliche Herausforderung. Umso erfreulicher ist
es, wie intensiv die Dialoge zwischen Sofie und Alberto auch in dieser
Kunstform ihren Zauber entfalten und das Prinzip des Hinterfragens, des
Zweifelns, des Durchdenkens immer wieder erkennen lassen, um so über Umwege,
Ecken und Kanten zur Erkenntnis zu gelangen. Die Trennung zwischen Leben und
Existenz, zwischen Sein und Schein wirkt manchmal nur ausgedacht – oder auch
wieder nicht. So gelangt man spielerisch zu den großen Fragen und Leitlinien
des Lebens, des eigenen und das der anderen, und kann dann für sich
entscheiden, wie tief man gedanklich schürfen möchte, um mehr über sich selbst
und das Weltgebäude um einen herum zu erfahren.
Ich mochte schon den Roman sehr und kann
auch diese Graphic Novel nur nachdrücklich empfehlen. Erwachsene werden das
Werk ebenso schätzen wie Jugendliche ab ca. 12, wohl eher ab 14 Jahren, wenn ohnehin
altersbedingt die großen Existenzfragen gestellt werden.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 20.11.2023
- Seitenanzahl: 264
- Altersempfehlung: Ab 14 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3446277953
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