Sonntag, 30. Oktober 2022

Jan Costin Wagner, Am roten Strand

Jan Costin Wagner, Am roten Strand, Galliani Verlag

Nachdem vor etwa zwei Jahren der erste Krimi um das Ermittlerteam Ben Neven und Christian Sandner unter dem Titel „Sommer bei Nacht“ erschienen war (Rezension hier), kommt nun die Fortsetzung sowohl der damals begonnenen Geschichte als auch die Fortentwicklung der agierenden Personen auf den Markt: „Am roten Strand“. Gegen Neven läuft noch die interne Ermittlung, da er im Vorgängerroman einen der Täter erschossen hatte, der eigentliche Drahtzieher eines noch aufzudeckenden Pädophilenrings ist in Haft, aber dennoch haben die Polizisten noch einiges zu tun. Denn weitere Mittäter und Hintermänner werden ausfindig gemacht, beschattet, konfrontiert und dennoch schneller als die Ermittler ihre Arbeit tun können zu Tode gebracht. Der eigentliche Ermittlungsansatz wandelt sich von da an und verschafft den Tätern ungewollt eine Zweitrolle als Opfer. Das Team, erweitert um den Beamten Heiko Lederer und die vorherige Leiterin der internen Ermittlung gegen Neven, Maren Keller, tappt zunächst im Dunkeln.

Im Präsidium Wiesbaden konzentriert sich nun zudem die bundesweite Ermittlung gegen die Kunden und Mittäter. Einer ist der beim Joggen im Park mit einer Schere ermordete Hanno Eigler, der für ein Treffen mit dem Haupttäter verabredet war und dazu seine kleine Tochter mitgebracht hatte. Ein weiterer ist der IT-Administrator der Gruppe, Dahms, der vergiftet wird und bei der Vernehmung zusammenbricht. Die Arbeit des Teams besteht fortan nicht nur aus der Ermittlung im Sumpf der Abartigkeiten, sondern auch in der Suche nach dem neuen Täter gegen die Täter. Dies erfolgt mit klassischer Ermittlungsarbeit, sprich Zeugenbefragung, Auswertung von Überwachungsvideos, Rückschlüssen aus Gesprächen und Chatverläufen und dem einen oder anderen unerwarteten Hinweis, unter anderem von Landmann, dem früheren Vorgesetzten von Neven, der von diesem immer einmal wieder um geistigen Input gebeten wird. Am Ende findet sich die Ursache der Tötungen und es wird auch eine Art wissenschaftlicher Begleitkontext dazu angeboten, die wohl erklären soll, wie die Person es trotz oder gerade wegen ihres Hintergrunds geschafft hat, die Taten zu begehen.

Der Krimi liest sich wie auch der Vorgängerband flott, die ständigen Perspektivwechsel sind diesmal besser aufeinander abgestimmt und es finden sich auch einmal längere Textpassagen. So können die Figuren auch weiterentwickelt werden, jedoch allenfalls dergestalt, dass man sie bei mehr Einzelheiten ihres Alltags beobachten darf: Neven beim Verheimlichen, Ausleben und Bereuen seiner eigenen pädophilen Neigungen, Sander beim Zusammenleben mit einem ehemaligen Missbrauchsopfer, Landmann beim Stochern im Nebel der eigenen Nicht-Erkenntnis über das Schicksal einer Tochter Barbara, Keller beim Hineinfinden in das Team und den Fall. Echte Erklärungen für die einzelnen Charaktere gibt es aber nicht, insbesondere nicht für Nevens Neigung oder deren Auswirkung auf den Fall. Dass er sich an Asservaten bedient, um heimlich seinen Vorlieben zu frönen, ist nachvollziehbar, aber dies hat außer der thematischen Identität nichts mit dem Fall zu tun. Er macht seine Arbeit gut, seine Familie leidet bisher nicht unter der Problematik, sodass das Aufbauschen dieser Eigenart als Besonderheit der Krimireihe („Und ausgerechnet der Polizist, in dem viele seiner Kollegen einen Helden sehen, bewahrt ein Geheimnis, vor dem er sich selbst entsetzt …“) deplatziert wirkt.

Auch wie beim Vorgängerband ist die eigentliche Struktur des Krimis recht flach. Die Auflösung muss am Ende die IT liefern und eine psychische Besonderheit soll die Taten schlüssig machen. Das ist nicht spannend und sehr „Tatort“-ähnlich. Die Ermittler erachten die Ermordung der Täter klammheimlich als gerechtfertigt, die Tötung des Pflichtverteidigers geht als bedauerlicher Kollateralschaden irgendwie durch. Ein echter Cliffhanger ist nicht vorhanden und man fragt sich, wie sich das Ermittlerteam in den nächsten Fall retten soll. Ebenso bedauerlich, wie auch beim ersten Band, ist die gewollte Kürze der sprunghaften Kapitelpassagen. Denn so kommt die aus früheren Romanen von mir so geschätzte Sprachgewalt Wagners nicht ansatzweise zur Geltung. Es ist natürlich ein solider, gut lesbarer und unterhaltsamer Krimi, aber den enthusiastischen Einschätzungen, die z.B. auf der Verlagsseite zitiert werden, kann ich mich nicht anschließen. Dafür fehlt mir die Erzählkunst Wagners zu sehr, die mich in seinen Büchern bisher so begeistert hat.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 10.03.2022
  • Seitenanzahl: 304
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-86971-209-3

Link zum Buch:

https://www.galiani.de/buch/jan-costin-wagner-am-roten-strand-9783869712093

Montag, 10. Oktober 2022

Pieter Gaudesaboos, Ein Meer von Liebe

Pieter Gaudesaboos, Ein Meer von Liebe, Jakob Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Das Kinderbuch „Ein Meer von Liebe“ ist nun erstmals aus dem Niederländischen ins Deutsche übersetzt worden, zum Glück. Denn das Buch hat nicht nur bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, sondern ist ein wahres Kleinod. Dass es wie nebenbei auch so manchen erwachsenen Vorleser oder Leser anrühren wird, ist ein schöner Nebeneffekt.

Worum geht es? Um zwei Freunde, Pinguin und Bär, die nicht gerade nahe zusammen wohnen. Pinguin macht sich aus seiner eisigen Heimat durch das weite Meer auf zu Bär an den warmen Strand, um ihn in seinem Leuchtturm zu besuchen, aber vor allem um ihm zu gestehen, dass er ihn liebt. Schon diese Enthüllung kostet Pinguin viel Überwindung. Und dann geht es erst los mit den Schwierigkeiten. Denn Bär ist erst einmal überrumpelt von dieser Offenbarung, die er offensichtlich bisher so nicht geteilt hat. Bär fängt erst einmal an zu lachen und betont die Unterschiede der beiden. Sodann begeben sich die beiden gemeinsam auf die Suche: was ist eigentlich Liebe? Pinguins Erklärungsversuche kann Bär nicht so recht nachvollziehen. Also bleibt Pinguin erst einmal und das eine ganze Weile. Die beiden verbringen eine wunderbare Sommerzeit, spielen, albern und verstehen sich, auch ohne Worte. Doch am Ende des Sommers packt Pinguin seine Sachen und geht wieder. Dann endlich merkt Bär, wie viel ihm an Pinguin liegt. Er ist einsam, er möchte ihn zurückhaben, wieder Spaß zu zweit haben. Er fühlt eine echte Leere. Und dann fasst Bär einen mutigen Entschluss, der ihn wiederum durch das Meer zu Pinguin bringt und die beiden wieder vereint. Und dann versteht auch er: das ist Liebe.

Als ich das Buch zum ersten Mal durchgelesen habe, fand ich es wunderbar gemacht, sowohl von der reduzierten Sprache her als auch von den stimmungsvollen Illustrationen, die die Geschichte gleichwertig mittragen. Ich hatte aber erhebliche Zweifel, ob das Buch wirklich schon für Kinder ab vier Jahren geeignet sein soll. In diesem Kindergartenalter ist die Liebe zu anderen Personen, die nicht zur Familie gehören, noch nicht stark ausgeprägt und das „verliebt sein“ ist eher ein Mittel des hämischen Kommentierens. Entsprechend gespannt war ich auf die Reaktion der kleinen Testleser. Aber: das Buch wurde nicht nur angenommen, es hat begeistert. Die Geschichte nimmt selbst die Kleinen mit auf eine emotionale Reise und durch die beschriebene ganz grundlegende Erfahrung, was Liebe alles bedeuten kann und welche Auswirkungen sie haben kann, wird sie als Gefühl auch für die kleinen Leserinnen und Leser begreifbar. Als etwas Wertvolles, das man nicht mehr missen möchte, wenn man es einmal gefunden oder erfahren hat.

Insofern mein klares Fazit nach anfänglicher Skepsis: Das Buch ist eine echte Empfehlung, eine tolle Erfahrung, für groß und klein, als Geschenk für andere oder für sich selbst.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 05.11.2022
  • Seitenanzahl: 80
  • Altersempfehlung: Ab 4 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-948991-04-3

Link zum Buch:

https://ein-meer-von-liebe.de/

Sonntag, 9. Oktober 2022

Charlotte Habersack, Bitte nicht öffnen 7: Winzig!

Charlotte Habersack, Bitte nicht öffnen: Winzig!, Carlsen Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Die große Fangemeinde der beliebten Reihe hat sehnsüchtig auf die Fortsetzung gewartet und mit dem siebten Band ist sie in diesem Sommer erschienen. Die Fans werden nicht enttäuscht – in gewohnter und routinierter Manier führt die Autorin durch das neue aberwitzige Abenteuer. Die drei Freunde Nemo, Oda und Fred müssen sich diesmal um winzige Sammelfiguren kümmern, die in dem geheimnisvollen Päckchen waren, das „An Niemand, wo der Pfeffer wächst, am Arsch der Welt“ geschickt wurde. Wieder werden die kleinen Spielzeuge auf magische Weise lebendig und sorgen für allerlei Chaos. Diesmal ist es nicht ein einzelnes Spielzeug, das die Welt der Kleinstadt Boring auf den Kopf stellt, sondern eine ganze Horde von 100 winzigen Maipupus. Diese wurden ursprünglich aus Bonbons freigelutscht und entsprechend stellt sich auch das Wetter ein: Gab es sengende Hitze, als Drache Draga aus dem Paket stieg oder Schneechaos beim Yeti, hagelt es diesmal erst feine Zuckerstreusel, dann aber immer größer werdende Bonbons, die zu schweren Schäden in Boring führen. Nemo, Fred und Oda finden das Kind, das sie mit den Maipupus wiedervereinen müssen, diesmal ziemlich schnell – nur die Maipupus zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen, so dass ein wilder Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Zugleich sind die drei Freunde weiterhin auf der Suche nach dem gruseligen Spielzeugdieb, der hinter den verschickten Päckchen steckt. In diesem Band wird nun ein Teil des Rätsels gelüftet, doch noch nicht jedes Detail ist am Ende aufgedeckt, so dass es spannend bleibt, was die nächsten Bände noch zur Lösung des Kriminalfalls beitragen.

In diesem Band gibt es mehrmals Uneinigkeit zwischen den drei Freunden. Schon die Frage, ob und wann das Päckchen geöffnet werden soll, wird nicht im Konsens entschieden. Die Ermittlungen nach dem Spielzeugdieb, entzweien die Freunde kurzzeitig dann völlig – Nemo ist völlig anderer Meinung als Fred und Oda, so dass es zu einem richtigen Streit kommt. Das ist neu in dieser Reihe! Schon öfter gab es unterschiedliche Meinungen, doch richtig gestritten wurde bisher nicht. Wertvoll ist, dass gezeigt wird, dass es nicht schlimm ist, wenn man seine Meinung aufgrund anderer stärkerer Argumente ändert und dass man trotzdem zusammenhalten kann, auch wenn man zuvor gestritten hatte. Freundschaften sollten Meinungsverschiedenheiten aushalten. Das ist eine schöne Botschaft an die junge Leserschaft.

Die liebevollen Schwarz-weiß-Illustrationen beleben die Geschichte wieder aufs Vorzüglichste und die Detailgenauigkeit, mit der die gezeichneten Maipupus mit den Beschreibungen im Text übereinstimmen, gefällt kleinen Lesern. In anderen Büchern ist genau das oft das Problem: Die Personenbeschreibungen passen nicht zu den abgebildeten Figuren, was kleine Leser sofort entdecken und was massiv stört. Die kleinen Maipupus aber, die im Buch erwähnt werden, sind im großen Eingangsbild ebenso zu finden, wie auf den Illustrationen zwischen den Kapiteln, so dass man in dem Gewusel kleine Freunde wiedererkennt.

Schlussendlich ist diesmal der Hauptcharakter Nemo - sonst nicht immer der strahlende Gewinner und größte Held der Geschichte. Ab und an schaut auch er recht blamabel aus der Wäsche und auch Fred und Oda haben ihre spektakulären Auftritte. Das tut dem Gleichgewicht der Figuren in der Geschichte sehr gut, zumal sich kleine Leser mit den verschiedenen Charakteren gut identifizieren können.

Der siebte Band „Winzig“ ist somit ein würdiger Vertreter in dieser empfehlenswerten Reihe und die junge Probeleserschaft sagt sogar, es sei ihr bester!

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 29.08.2022
  • Seitenanzahl: 288
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-551-65217-1

Link zum Buch:

https://www.carlsen.de/hardcover/bitte-nicht-offnen-7-winzig/978-3-551-65217-1

Samstag, 1. Oktober 2022

Charlotte Habersack, Bitte nicht öffnen 6: Rostig!

Charlotte Habersack, Bitte nicht öffnen 6: Rostig!, Carlsen Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Das sechste Buch der liebenswerten „Bitte nicht öffnen“-Reihe hat diesmal einen kleinen, alten Roboter als Protagonisten. Das erfolgreiche Konzept des Buches wird weiterhin stringent verfolgt und so begleiten die jungen Leserinnen und Leser das Trio Nemo, Oda und Fred wieder bei ihrem neuen Abenteuer mit lebendig gewordenem Spielzeug, das für allerlei Chaos sorgt. In einem geheimnisvollen Päckchen, das mit der wohlbekannten Anschrift „An Niemand, wo der Pfeffer wächst, am Arsch der Welt“ adressiert ist und den Weg zu Nemo findet, ist diesmal B-Pollo 81 verpackt, ein rostiger, älterer Roboter, der wie seine Vorgänger auch von einem geheimnisvollen Unbekannten auf magische Weise zum Leben erweckt wurde, sobald das Päckchen geöffnet wird. Mit jedem Spielzeug geht auch ein seltsames Wetterphänomen einher: War es in früheren Bänden mal übermäßige Hitze, als ein Spielzeug-Drache verpackt war, finstere Dunkelheit bei einer Vampirpuppe oder unerträglicher Erdbeerduft, als ein Plüsch-Einhorn aus dem Paket kam, trifft die Kleinstadt Boring, in der Nemo, Oda und Fred leben, nun zunehmende Schwerelosigkeit. Um das Spielzeug wieder in seinen leblosen Zustand zurückzuverwandeln und das Wetterphänomen zu beenden, muss der ursprüngliche Besitzer, dem das Spielzeug geklaut wurde, wieder mit seinem Spielzeug vereint werden – doch wie soll das möglich sein, wenn der Spielzeughändler, der wissen könnte, an wen er den Roboter verkauft hat, spurlos verschwunden ist? Nemo, Oda und Fred haben daher mit mehreren Widrigkeiten zu kämpfen: schnarchnasige Polizisten, die sie nicht ernst nehmen, die Suche nach dem verschwundenen Spielzeughändler, der überängstliche Roboter, die Schwerelosigkeit und die Frage, wer wohl der Besitzer von Biep dem Roboter sein könnte.

Wortspiele sind ein Markenzeichen der Autorin und so kommen sie auch diesmal nicht zu kurz: Die öde Kleinstadt heißt nicht umsonst „Boring“, Nepomuk wird Nemo gerufen, was auf Latein „Niemand“ heißt und daher den Postboten veranlasst, ihm die geheimnisvollen Päckchen zuzustellen oder B-Pollo 81 klingt schwer nach Apollo 18.

Es ist eine Stärke der Bücher, dass die charakteristisch überzeichneten Figuren so lebendig und liebenswert werden. Alle Charaktere reifen von Buch zu Buch in ihrer Rolle und lassen ihre stereotypen Merkmale deutlicher hervortreten, wie die äußerst gestrenge Direktorin Dr. Spargel oder der bärig-tapsige Supermarktbesitzer und Vater von Nemo, dem in jedem Band ein Missgeschick wiederfährt – diesmal sieht er beim Joggen rosa Hasen mit Kinderwägen - der entscheidende Hinweis bei der Lösung des Rätsels -, doch in der Bürgerversammlung wird er von allen ausgelacht. Das Trio Nemo, Oda und Fred bildet eine verschworene Einheit, obwohl erste zarte Verliebtheiten zwischen Nemo und Oda hin und wieder für Herzflattern sorgen. Obwohl sie manchmal anderer Meinung sind, stehen sie zusammen, treffen ihre Entscheidungen gemeinsam und jeder übernimmt seine Aufgabe zur Lösung des Rätsels. Jeder bringt das ein, was er am besten kann: Oda ist schlagfertig und nie um eine Antwort verlegen, Fred ist klug, treu und hat häufig die richtige Ausrüstung und Nemo ist der Kopf der Bande, der immer den richtigen Riecher hat.

Das, was in vielen Büchern mit erhobenem Zeigefinger angemahnt wird (nur gemeinsam ist man stark, Teamwork über alles, etc.), wird in diesen Büchern lebensnah und nebenbei vermittelt. Dabei wird nicht übersehen, dass nicht immer alle einer Meinung sein müssen, dass auch äußere Umstände (wie wartende Omas oder Pflichten in Schule oder Haushalt) berücksichtigt werden müssen und dass auch widerstrebende Gefühle in Ordnung sind, wenn man einerseits das Vernünftige tun will, andererseits aber das Unvernünftige ebenso reizt. All diese wertvollen Lebensregeln werden mit den Geschichten der „Bitte nicht öffnen“-Reihe mit Leichtigkeit und quasi nebenbei transportiert, was sie so lesenswert macht. Auch „Rostig“ steht dem in nichts nach: das Buch ist witzig und spannend zugleich, die Zeichnungen comic-haft perfekt und insgesamt eine absolute Leseempfehlung!

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 29.07.2021
  • Seitenanzahl: 240
  • Altersempfehlung: Ab 7 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3551652164

Link zum Buch:

https://www.carlsen.de/hardcover/bitte-nicht-offnen-6-rostig/978-3-551-65216-4

Katie Viggers, Der Feen-Atlas

Katie Viggers, Der Feen-Atlas - Feen, Elfen & Kobolde aus aller Welt, Laurence King Verlag

Das wunderschön gestaltete Buch mit den liebevoll gezeichneten, träumerischen Bildern, spricht kleine und große Feen-Liebhaber und Freunde der magischen Welt ganz besonders an. Nach einer Einführung über Feen im Allgemeinen, finden sich zunächst Überblicksseiten für jeden Kontinent, bzw. jeden geografischen Abschnitt. Anschließend werden die einzelnen speziellen Feen in kleinen Bildern detailliert illustriert und mit einem kleinen Text samt Herkunftsland beschrieben. Die Texte sind dabei wie gute Ratschläge gehalten und die kleinen Leser werden persönlich angesprochen, wenn kleine Tipps gegeben werden, wie man sich mit dieser speziellen Feen-Art anfreunden kann oder wovor man sich in Acht nehmen muss. Auf ganzseitigen Einschüben werden einzelne Feen noch im Besonderen dargestellt, teilweise auch in Form einer kleinen Legende oder einem kleinen Märchen. Jeder geografische Abschnitt wird damit abgeschlossen, dass in schwarz-weißer Illustration im Zeitungsstil kurze Erläuterungen gegeben werden, z.B. über die magischen Kräfte der Feen oder Feen-Zeichen, die man beim aufmerksamen Wandern in der Natur finden kann, oder über Parallelwelten, in denen sie leben.

Das ganze Buch stellt die Existenz von Feen nicht in Frage und richtet sich daher an Kinder, die noch mit großen Augen die große Magie der Welt um sie herum bestaunen. Hinweise, dass Feen am liebsten Sahne, Milch oder Butter essen und es lieben, wenn man ihnen kleine Häuser baut, können an sonnigen Herbsttagen zu schönen Bastelaktionen im Garten führen und kleine Kinderseelen sehr glücklich machen.

Ein positiver Nebeneffekt des Buches ist das spielerische Heranführen an die geografische Einordnung der Welt. Ganz nebenbei erfassen schon die jüngeren Leser die geografische Gliederung der Welt, nehmen Kontinente wahr und die entsprechende Verortung von Ländern vor. Auf der Buchinnenseite ist dann mit kleinen Piktogrammen der im Einzelnen dargestellten Feen ein Überblick auf dem Weltatlas möglich und somit auch eine Zuordnung der einzelnen Kontinente und Landesteile im Gesamtbild der Erde.

Dabei erleben die Kinder ganz nebenbei, dass die Menschheit in ihren Mythen und Märchen zwar sehr unterschiedlich und facettenreich ist, dass regionale Unterschiede in der Denkwelt und mystischen Traditionen existieren – zugleich sehen sie aber auch das Vereinende, das die Menschheit Übergreifende wird sichtbar, denn alle Regionen und Völker haben ihre Feengestalten, ihre Mythen und Märchen über magische Wesen aus einer anderen Welt. Die Vielfalt wird somit ebenso sichtbar wie das verbindende Element in der Natur der Menschheit.

Wer sich für Feen interessiert und sich wünscht, einer Fee oder Naturgeist einmal in Realität zu begegnen, für den hält das Buch hilfreiche Tipps parat – die zugleich positive und allgemeingültige Werte vermitteln. Da Feen die Natur lieben, gilt über allem: Respektiere die Welt der Natur! Flora und Fauna zu schützen und die Natur nicht zu verschmutzen, sind Regeln, die es nicht früh genug zu erlernen und befolgen gilt. Wenn aus Feen-Liebhabern somit kleine Naturschützer werden, hat der Feen-Atlas gleich einen mehrfach positiven Effekt.

Nicht verschweigen sollte man allerdings, dass nicht jedes Märchen und nicht jedes magische Wesen freundlich und heiter ist. Im Gegenteil sind etliche Feengestalten ziemlich gruselig, zielen darauf ab, Kinder vom Weg abzubringen, Erwachsene zu verzaubern, zu entführen oder gar zu fressen. So ist auch manches Bild etwas gruselig, da manche Fee eher einem Monster als einem Rauscheengel gleicht. Mit ganz kleinen, zart besaiteten Kindern, sollte das Buch daher nur vorsichtig gelesen werden. Wer sich für die Legenden und Märchen auch der ganz entlegenen Gegenden wie der Salomonen und Cook-Inseln interessiert, wer Feen liebt und sich schon immer wünschte, einmal einer Fee zu begegnen, der ist bei diesem Feen-Atlas genau richtig.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 01.09.2022
  • Seitenanzahl: 48
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 9783962442255

Link zum Buch:

https://www.laurencekingverlag.de/products/der-feenatlas?_pos=1&_psq=Feen&_ss=e&_v=1.0