Samstag, 24. April 2021

Daniele Meocci, Bruno, das Umarmehörnchen

Daniele Meocci, Bruno, das Umarmehörnchen, Baeschlin Verlag

In der Schweiz ist ein neues Bilderbuch für Kinder erschienen, das sich auf eine durchaus heikle Gratwanderung zwischen netter, kindgerechter Geschichte und (wichtiger) Botschaft begibt. Der Einstieg in die Geschichte ist denkbar goldig, wenn Bruno, das Eichhörnchen, so gute Laune verspürt, dass er alle, denen er begegnet, umarmen möchte. Dabei machen sowohl er als auch die anderen umarmten Tiere die Erfahrung, dass man auch bei einer freudigen Umarmung ein bisschen aufeinander Acht geben muss: die kleine Maus wird zu fest gedrückt, der Igel hingegen ist, wie Bruno feststellen muss, durchaus schmerzhaft zu umarmen. Auf die Umarmung des hungrigen Fuchses verzichtet Bruno lieber und beim Vogel merkt Bruno selbst, dass er zart vorgehen muss. Dafür wird er dann vom Bären mehr als genug durchgekuschelt, bis es ihm selbst zu viel wird. So weit, so gut: bis dahin erinnert das Buch durchaus an nette andere Bücher wie „Wer knuffelt Paulchen“ oder „Tapsi will kuscheln“. Körperliche Nähe ist für Kinder schon ab dem zweiten Lebensjahr eine wichtige Erfahrung und im Kindergarten wird das Umarmen mit Wonne zelebriert. Dass das mal bei dem einem oder anderen besser oder schlechter klappt, kann also jeder kleine Leser gut nachempfinden.

Dann aber nimmt das Buch etwa bei der Hälfte eine Abzweigung zur Pädagogik und wechselt damit – leider – auch die Zielgruppe. Denn Bruno entdeckt ein Eichhörnchenmädchen und ist ganz hin und weg von ihr: DIE will er sowas von umarmen, er spricht sogar von „Anknabbern“, und schon diese Doppeldeutigkeit verlässt sprachlich den Erfahrungshorizont von Klein- und Vorschulkindern, für die die Geschichte bis dahin passend war. Auch spätere Textteile erfordern von den kleinen Lesern ein wenig Erkenntnis über Balzverhalten. Denn nun beginnt die Annäherung der beiden Eichhörnchen, von Bruno und Hasel, die Bruno aber erstmal gar nicht in ihrer Nähe haben will: sie kennt ihn ja nicht mal!

Interessanterweise ist genau diese bewusste Distanzierung auch ein regelmäßiges Thema der Polizei-Puppentheater, die in Grundschulen gastieren, und den Kindern beibringen wollen: sag Nein, wenn du etwas nicht möchtest. Natürlich geht es da auch um den Beginn von Missbrauch, aber auch die knutschende Tante oder der knuddelnde Opa werden genannt, um den Kindern ein Bewusstsein für ihre eigene Komfortzone zu geben, in die niemand anderes ungefragt Eintritt zu begehren hat. So auch bei Hasel: die hält Bruno hin, der verausgabt sich, macht den Kasper, um Hasel zu beeindrucken. Und als es regnet, suchen die beiden Schutz in Brunos Behausung. Da ist es so eng, dass Bruno seine Umarmung starten könnte, aber er tut es bewusst nicht – wieder der gezielte pädagogische Input, der aber frühestens Grundschulkinder erreichen wird. Am Ende verabschiedet sich Hasel dann mit einem Kuss auf Brunos Wange und Bruno ist gaaaanz schwer verliebt. Nur noch die und niemanden sollst will er ab jetzt umarmen.

Trotz des „Bruchs“ innerhalb des Buches ist es ein gelungenes Kinderbuch, das ein für Kinder eminent wichtiges Thema anspricht: nicht jeder mag Körperkontakt mit anderen haben und das hat man zu respektieren. Auch andere Kinderbücher thematisieren diese Grenzziehung, z.B. „Max will immer küssen“ und bieten den kleinen Lesern damit eine gute Grundlage, um über ihre eigene Gefühlswelt zu reflektieren und Grenzen klar zu setzen. Als Zielgruppe erachte ich aus den obigen Gründen heraus Grundschulkinder ab 6/7 Jahren für geeignete Leser, nicht aber kleinere Kinder, für die Brunos Verliebtsein und auch manche sprachliche Wendung ungeeignet sind. Für diese Zielgruppe hätte es beim Umarmen bleiben müssen, siehe Paulchen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 15.9.2019
  • Seitenanzahl: 32
  • Altersempfehlung: Ab 4 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-03893-012-9

Link zum Buch:

https://baeschlinverlag.lesestoff.ch/detail/ISBN-9783038930129/Meocci-Daniele/Bruno-das-Umarmehörnchen

Alan Gratz, Amy und die geheime Bibliothek

Alan Gratz, Amy und die geheime Bibliothek, Hanser Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Dies ist ein Buch über ein mutiges Mädchen. Etliche Details dieser Geschichte sind wunderbar als Vorbilder für zurückhaltende, eher introvertierte Mädchen geeignet. Ethische Werte wie Zivilcourage, für seine Werte einstehen, Freundschaft und Loyalität werden in einer ansprechend erzählten Geschichte für Grundschüler verständlich vermittelt. Zwar ist das Grundproblem ein typisch amerikanisches und schwerlich auf das deutsche System zu übersetzen, da es in deutschen Grundschulen keine Bibliothekskommissionen mit Geschworenen gibt, die einer Bibliothekarin die Bücher aus den Regalen verbannt oder gleich nach dem hire and fire-Prinzip die Bibliothekarin austauscht; und generell ist das patriarchalische „Kind, halte den Mund, wenn Erwachsene reden“ in Amerika weiter verbreitet als in Deutschland. Doch die hinter dem Plot stehenden Schwierigkeiten, denen sich Amy ausgesetzt sieht – Schüchternheit, vor Erwachsenen reden, für ihre Sache kämpfen – international und ein wichtiges Lernziel für alle Kinder auf dem Weg zum Jugendlichen.

Die Geschichte handelt von Amy, die zuhause als älteste Schwester von einem zwar liebevollen, aber recht chaotischen Umfeld umgeben ist und die Rolle der vernünftigen und klaglos die Launen der anderen erduldenden großen Schwester zugewiesen bekommt, über der sie nur innerlich leidet, da sie mit ihren Eltern nicht offen kommunizieren kann. In der Schule ist sie strebsam, liest gerne in der Bibliothek und liebt die Bibliothekarin. Als jedoch ihr Lieblingsbuch verbannt wird, weil es als jugendschädlich eingestuft wurde, wird ihr Kampfesgeist geweckt und gemeinsam mit zwei Freunden gründet sie die GSB – die geheime Schließfachbibliothek. Sie handelt sich schlussendlich natürlich Ärger mit der Direktorin ein, kann aber durch gewitztes Handeln und die Hilfe ihrer Freunde und der Bibliothekarin am Ende der Kommission die Widersprüchlichkeit der Bücherverbannungen vor Augen führen und siegt somit auf ganzer Linie. Dabei sind es sowohl die spannenden Krimi-Anteile der Geschichte (z.B. als die drei Freunde die zu verbannenden Bücher aus der Bibliothek klauen, um sie in die GSB zu stellen), als auch die sehr einfühlsam dargestellten inneren Konflikte von Amy, die das Buch lesenswert machen. Amy hadert mit ihrem Unrechtsempfinden gegenüber der Verbannung der Bücher einerseits und ihrem Wunsch den Erwachsenen alles Recht zu machen andererseits. Die Szene, in der sie sich traut vor der Kommission zu sprechen und ihre Beweise vorzuführen, zählt zu den stärksten des Buches und erweckt beim Leser Gänsehaut. Dass Amy am Ende noch einsieht, dass auch sei selbst vorschnell geurteilt hat, als sie einen Schulkameraden als Feind ihrer Sache abgestempelt hat, ist eine wohltuende Pointe, nach der Amy weniger glorifiziert dasteht und mehr wie ein echtes Grundschulmädchen wirkt, das allerdings um eine entscheidende Erkenntnis reicher ist.

Der Grundtenor des Buches vermittelt die angenehme Lebensweisheit, dass zum einen gut gemeint nicht immer gut gemacht ist, dennoch aber hinter jeder tat eine gute Absicht stecken mag und dass zum anderen ein Vorurteil oft ein Fehlurteil ist, wird für Grundschüler anschaulich und freundlich präsentiert. Dafür erhält das Buch eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 18.2.2019
  • Seitenanzahl: 248
  • Altersempfehlung: Ab 9 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-446-26211-9

Link zum Buch:

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/amy-und-die-geheime-bibliothek/978-3-446-26211-9/

Andreas Schmachtl, Missi Moppel – Detektivin für alle Fälle

Andreas Schmachtl, Missi Moppel – Detektivin für alle Fälle, Arena Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Mit Missi Moppel tritt ein neuer Charakter aus der Feder von Andreas Schmachtl ins Rampenlicht. Während Juli Löwenzahn und Tilda Apfelkern eher für die ganz kleinen Leser geeignet sind und Snöfrid von der Komplexität eher auf ältere Grundschulkinder abzielt, ist Missi Moppel nun für die Erstleser und jungen Grundschüler ein passender Lesepartner. Das liegt zum einen an der Quantität der Geschichten. Denn es ist zwar ein umfangreiches (Vor-)Lesebuch geworden, aber es handelt sich um eine große Anzahl kleinerer Geschichten, in denen zwar Missi und ihre Familie Stück für Stück vorgestellt werden, aber jedes Mal neue kleine Abenteuer warten. Es liegt aber auch an der inhaltlichen Aufmachung: denn die Detektivin Missi Moppel erlebt zwar allerhand Aufregendes und muss so mancher Sache auf die Spur kommen. Aber es handelt sich dann doch oft um erleichternd harmlose Vorfälle oder zumindest schulkindgerechte Ereignisse, d.h. sie sind rasch zu begreifen und auch gut emotional zu verarbeiten. So erweist sich etwa ein vermeintlich dreister Antiquitätendieb als die schusselige Nachbarin oder ein düsteres Geräusch als das Klopfen eines Asts gegen das Fenster bei einem Sturm. Auf diese Weise fängt Andreas Schmachtl punktgenau die Stimmungslage junger Grundschulkinder ein, die mit Staunen und Neugier auf die große weite Welt treffen, deren Problemhorizont aber dann doch immer erfreulich eingegrenzt ist, sodass die jeweiligen Erlebnisse sich auch in die vorhandenen Erfahrungswerte einordnen lassen.

Wer ist nun diese Missi? Sie ist das jüngste von drei Kindern eines Archäologenehepaars, das seinen Kindern Flussvornamen gegeben hat. Missi heißt nämlich eigentlich Mississippi, ihre Brüder Nil und Ganges. Missi liebt Bücher, vor allem Detektivgeschichten, und ist entsprechend gern gesehener Gast in der Bibliothek, wo sie auch hilft, einen Fall aufzuklären. Sie hat einen besten Freund in der Schule, den Lurch Piwi Pots, dem sie aus manch misslicher Situation helfen muss, denn er ist gerne das Opfer von Streichen. Ihre Brüder sind grandios in manchen Teilgebieten, wohingegen Missi vieles kann und gerne macht, aber eben nicht auf einem Spitzenlevel wie ihre Brüder. Dafür kann keiner so viel lesen und weiß so genau Bescheid wie Missi, was ihr beim Erarbeiten von Lösungen für ihre immer neuen Rätselfälle ständig behilflich ist. Ganz nebenbei werden auch Missis familiäre Verhältnisse ins Spiel gebracht, mal mit ihren Brüdern, mal mit der Oma. Und darüber hinaus, quasi als Metathemen, kommen immer wieder „richtige“ Verhaltensweisen zur Sprache, die sich am Ende durchsetzen: Teamwork, Wettkämpfe ohne Betrügereien, nett sein zu anderen etc. Andreas Schmachtl setzt hier ansatzlos sein erfreuliches schriftstellerisches Werk fort, das er schon in den Kinderbüchern um Juli Löwenzahn und Tilda Apfelkern begonnen hat, und zeigt jungen Leserinnen und Lesern auf, dass es sich lohnt, für etwas Gutes einzustehen.

Für die bereits genannte Zielgruppe ist das Buch sehr empfehlenswert, denn es holt die jungen Leserinnen und Lesern sowohl von ihrem Verständnishorizont als auch sprachlich dort ab, wo sie gefordert werden, aber nicht überfordert sind. Die liebenswerten Zeichnungen ergänzen dabei die Geschichten wunderbar und leiten die jungen Leserinnen und Lesern auch emotional durch das Erzählte. Missi Moppel ist eine echte Bereicherung für den Kinderbuchmarkt und dürfte sich bald eine große Fangemeinde errätselt haben. Das würde sogar Snöfrid ein „Hm!“ entlocken.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 18.6.2019
  • Seitenanzahl: 176
  • Altersempfehlung: Ab 4 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-401-70777-8

Link zum Buch:

https://www.arena-verlag.de/artikel/missi-moppel-detektivin-fur-alle-falle-1-das-geheimnis-im-turmzimmer-und-andere

Martin Walker, Menu surprise

Martin Walker, Menu surprise, Diogenes Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Ach, unser Bruno! Was hätte sich jede geneigte Leserin doch gewünscht, dass er nun endlich unter die Haube kommt! Schon wieder stellen dem „begehrtesten Junggesellen“ von Saint Denis die falschen Frauen nach und diejenige, die er liebt, lässt ihn weiterhin leiden. Aber das ist nur das übliche romantische Nebengeplänkel, das ebenso wie die ausladenden Kochanleitungen und Beschreibungen verschiedenster Waffen den Rahmen für den mal wieder absolut spannenden Kriminalfall bildet.

Im Perigord lebt es sich königlich, vor allem hinsichtlich der Landschaft und der kulinarischen Genüsse - wenn man nicht gerade ein untergetauchter Offizier der britischen Armee ist, mit dem die IRA noch eine Rechnung offen hat. Das Auffinden zweier Leichen bringt in diesem Fall britische, amerikanische und französische Ermittler zusammen, die wünschenswert harmonisch zusammenarbeiten. Die Verwicklungen sind diesmal besonders verworren und der Leser erfährt einiges über Einsätze der IRA und das Handeln der Streitkräfte und Geheimdienste der verschiedenen Nationen in den letzten Jahrzehnten. Insgesamt ist Bruno diesmal eher Nebenfigur bei den eigentlichen Ermittlungen des Doppelmordes, doch hat er am Ende den entscheidenden Riecher für die Auflösung des Falles und die Gefangennahme der Täter. Sehr liebenswert und top ausgebildet bekommt diesmal Brunos Hund eine Hauptrolle.

Nebenbei widmet sich Bruno noch den Problemen des Frauen-Rugby-Teams, dessen Trainer er ist. Hier leidet er mit dem Star der Truppe mit, bei der eine ungewollte Schwangerschaft fast die in greifbarer Nähe befindliche Profikarriere stoppen könnte. Bruno wirkt in diesen Teilen des Buches erstaunlich unsicher, fast tölpelhaft. Auch in einem weiteren Erzählstrang, bei dem Bruno befördert wird und nun Chef einiger anderer Dorfpolizisten aus dem Umkreis wird, glänzt er nicht gerade mit Feingefühl und Führungskompetenz. Der schnöde Alltag von Kompetenzgerangel, Aktenstaub und langatmigen Dienstbesprechungen wird portraitiert - das lässt somit zum einen Realität einziehen und entglorifiziert zum anderen den Helden Bruno.

Auch diesmal endet der Krimi in einem für den Rest des Buches erstaunlich wilden Finale. So knapp vor dem Tode stand unser Held schon öfter – doch mutet es diesmal besonders abgebrüht an, wie schnell sich Bruno nur Minuten später wieder ganz alltäglichen Dingen zuwenden kann. Dies gibt einen Punkt Abzug aus Sympathie- und Realitätsverlust. Darüber hinaus jedoch wurde auch mit dem vorliegenden elften Band beim Leser wieder einmal die Lust geweckt, eine Reise ins beschauliche Perigord zu unternehmen. Vielleicht läuft man dann ja auch dem Autor über den Weg und kann mit ihm über Trüffel, Weine und Jagdgewehre fachsimpeln.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 1.5.2019
  • Seitenanzahl: 432
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-07063-7

Link zum Buch:

https://www.diogenes.ch/leser/titel/martin-walker/menu-surprise-9783257070637.html

Thomas Springer, Onno & Ontje: Freunde sind das schönste Geschenk

Thomas Springer, Onno & Ontje: Freunde sind das schönste Geschenk, Coppenrath Verlag

Die Abenteuer von Onno und seinem Otter Ontje gehen nun schon in die vierte Runde: diesmal geht es um die Weihnachtszeit. Wie man Weihnachten auf einer so kleinen Hallig feiern kann, das beweisen die beiden Freunde diesmal auf ihre ganz eigene Weise. Wenn man sich im Kinderbuchsektor über die Jahre hinweg ein wenig eingelesen hat, kommt man nicht umhin, ein paar Aspekte der Geschichte zu entdecken, die man schon bei Findus und Pettersson gelesen hat: kauziger alter Mann und quirliges kleines Tierchen erleben zusammen Lustiges und Katastrophen, lösen das Ganze aber mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und ganz herzerwärmend. So ist es auch diesmal. Onnos Frau Olga, die ja bekanntermaßen die Fischerei von Onno übernommen hat, beschließt, dass Ontjes erstes Weihnachtsfest richtig glanzvoll sein soll. Das bedeutet aber auch, dass sie kurz vor dem Fest noch einmal ausfahren und wichtige Dinge besorgen muss, etwa den Baum und allerlei Leckereien. Währenddessen sollen die beiden Herren des Hauses selbiges putzen und auf Vordermann bringen. Doch natürlich gibt es einen Zwischenfall und es schneit mächtig, sodass nicht nur die Hallig völlig unter einer weißen Decke liegt, sondern auch die ganze See (ja, das ist natürlich nicht möglich, aber für die Geschichte muss es so sein) und natürlich steckt auch Olga fest. Weihnachten droht also zu platzen, doch da fasst sich der ob des ungewollten Trubels brummelige Onno ein Seemannsherz und improvisiert mit Ontje, was das Zeug hält, so auch beim zusammengestöpselten Weihnachtsbaum (siehe Findus und Pettersson…). Und um Olga zu Hilfe zu kommen, basteln die beiden aus der Lore im Handumdrehen einen Schneeschlitten. Als dann auf der Rückfahrt auch noch der Wind ausgeht, helfen die Tiere, damit alle zusammen zuhause ein schönes Fest feiern können.

Die Metathemen, die rund um das Weihnachtsfest gesetzt werden, sind wie auch schon in den Bänden zuvor gekonnt platziert und für Kinder verständlich: man muss über seinen Schatten springen, man darf nicht aufgeben und muss erfinderisch sein und: Freunde halten zusammen, denn gemeinsam ist es am schönsten.

Die Illustrationen sind wieder ganz großartig und bieten neben der eigentlichen Geschichte viel Betrachtungsspaß: sei es der am Tisch verborgen mitessende Oktopus, die ein Weihnachtsbaummuster in ihr Netz webende Spinne oder die Klobürste als Weihnachtssternersatz – die witzige Liebe zum Detail macht die Onno-Bände zu einem richtig schönen Lese- und Betrachtungserlebnis. Dass diesmal mit dem haptisch bemerkbaren Glitzer auf Titelseite und beim Weihnachtsbild noch ein Gimmick für Kinder etabliert wurde, rundet den guten Gesamteindruck ab.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 24.9.2019
  • Seitenanzahl: 32
  • Altersempfehlung: Ab 3 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3649630418

Link zum Buch:

nicht vorhanden

Ali Sparkes, Die Nachtflüsterer– Das Beben

Ali Sparkes, Die Nachtflüsterer– Das Beben, Hanser Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Kinder und Tiere retten gemeinsam die Welt – das ist die Essenz der Nachtflüsterer Buchreihe. Mit dem vierten Band legt Ali Sparkes erneut ein rasantes Abenteuer rund um ihre drei Helden Tima, Elena und Matt vor. Alle drei können mit Tieren jeglicher Art reden, seit sie jede Nacht durch einen außerirdischen Strahl geweckt werden. Matt kommuniziert vor allem mit Vögeln, Elena mit Säugetieren und Tima mit Insekten. In routinierter Art zieht die Autorin ihre Leser in den Bann der Geschichte, die schnell Fahrt aufnimmt: Mysteriöse Erdbeben erschüttern die Gegend in Schottland, in der Tima mit ihren Eltern die Weihnachtsferien verbringt. Dort lernt Tima Jamie kennen, einen Jungen, der in der Nähe ihres Ferienhauses wohnt. Das Besondere an Jamie ist auch das absolut Besondere an diesem Buch: Da die drei Nachtflüsterer durch ihre spezielle Gabe nicht nur mit Tieren sprechen können, sondern jede Sprache verstehen, fällt es Tima erst gar nicht auf, wie ungewöhnlich es ist, dass sie Jamie verstehen kann. Durch einen Unfall ist er körperlich beeinträchtigt, was ihn am Sprechen und in seinen Bewegungen behindert. Andere Menschen außer seinem Onkel und seinem Großvater können ihn in der Regel nicht verstehen. Dass Tima ganz natürlich mit ihm spricht und ihn versteht, ist für Jamie ein bewegendes Erlebnis und die beiden freunden sich an. Jamie vertraut ihr an, dass er auf einer Wiese eine seltsame Entdeckung gemacht hat, die ihm niemand glaubt: Er hat eine tote Kuh mit einem kreisrunden Loch im Körper entdeckt. Natürlich machen sich die beiden kurze Zeit später auf die Suche nach der Ursache und entdecken einen Hirsch, dem ähnliches widerfahren ist. Sie untersuchen die Umgebung und klettern in eine Höhle, in der sie die Ursache finden – und in Lebensgefahr geraten.

Mehrere hundert Kilometer entfernt werden Elena und Matt von zwei Steinadlern überrascht, die sie eindringlich warnen, dass Tima in Gefahr ist. Ohne zu zögern machen sich die beiden auf die lange Reise, um ihrer Freundin zu helfen – mit einem gestohlen Auto rasen die beiden so schnell es geht nach Schottland. Dort nehmen die seltsamen Erdbeben immer mehr zu und zerstören weite Landstriche. Matt und Elena gelingt es unter erheblichen Schwierigkeiten, Tima und Jamie aufzuspüren und sie erleben zu viert ein wildes Nachtflüsterer-Abenteuer, bei dem sie von Erdbeben mitgerissen, von geldgierigen Außerirdischen entführt und fast getötet werden, von Steine fressenden Cyborg-Würmern erst bedroht werden, dann aber am Ende die Welt doch retten.

Bei all diesen Abenteuern sind es die Tiere, die unter Einsatz ihres Lebens selbstlos die Nachtflüsterer beschützen, ihnen helfen und mehrmals ihr Leben retten. Das ist die bewährte Stärke der Buchreihe: Erwachsene sind nur selten eine Hilfe, aber gemeinsam sind die drei Kinder stark und retten die Welt völlig uneigennützig in absolutem Einklang mit der Natur. Die Ehrfurcht vor der Schönheit der Natur, die Selbstlosigkeit der Tiere und die Dankbarkeit der Nachtflüsterer all ihren tierischen Helfern gegenüber wird von den Nachtflüsterern für die jungen Leser nachfühlbar erlebt.

In diesem Band beeindruckt vor allem die Rolle des behinderten Jamie. Er wächst über sich hinaus in diesem Abenteuer, erlebt Freundschaft und Zusammenhalt in der Gruppe und ist mutig, wie er es selbst von sich nicht erwartet hätte. Während des Abenteuers ist er ein verlässlicher Partner, ohne den die Nachtflüsterer ihren Kampf gegen die Zeit und für die Rettung der Welt nicht geschafft hätten, was ihm ein neues Selbstbewusstsein verschafft. Dieser Aspekt des Buches transportiert die positive Botschaft an junge Leser, dass jeder ein Held sein kann.

Der Cliffhanger am Ende des Buches, als Matt voller Angst vor seinem prügelnden Vater in einer Gefängniszelle landet, lässt den Leser äußerst angespannt zurück und man hofft, dass der fünfte Band nicht zu lange auf sich warten lässt.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 19.4.2021
  • Seitenanzahl: 280
  • Altersempfehlung: Ab 10 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-446-26818-0

Link zum Buch:

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-nachtfluesterer-das-beben/978-3-446-26818-0/


Charlotte Habersack, Mopsa

Charlotte Habersack, Mopsa – Eine Maus kommt ganz groß raus, Carlsen Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Wenn Charlotte Habersack ein Kinderbuch schreibt, kommt – so auch hier – eine schöne, spannend erzählte und mit vielen Metathemen gespickte Geschichte in den Köpfen der kleinen Leserinnen und Lesern an. Dieses Kinderbuch allerdings, verlagsseits für Kinder ab fünf Jahren empfohlen, steht meiner Ansicht nach irgendwo zwischen kindlich-geeigneter Grundgeschichte und einem Setting, das viel Grundwissen und eine gewisse Robustheit für belastende Wendungen in einer Geschichte abfordert. Mithin: mir ist schleierhaft, für welche Altersgruppe sich das Werk tatsächlich eignen soll, dazu dann gleich mehr.

Mopsa lebt in einer vergangenen Zeit, als man noch mit Kutschen unterwegs war und die gesellschaftlichen Schichten klar definiert waren. Mopsa und ihre Mäusefamilie und Mäusefreunde leben unter der Tyrannei einer dicken Ratte, die von den mühsam ergatterten Nahrungsmitteln immer einen gehörigen Obulus für sich beansprucht. Mopsa wird das irgendwann zuviel, möchte sie doch sowieso hinaus in die Stadt und die Welt, um ihrem künstlerischen Talent endlich Raum zu geben und ans Theater zu gehen. Sie bricht mit der Ratte und wird folglich von ihm hinausgeworfen. Sie lässt ihre Familie und ihre beste Freundin zurück – schon das ist harter Tobak für die oben genannte Zielgruppe. In der Stadt muss sie sich mit ihrem Bruder erst einmal zurechtfinden und merkt, dass es gar nicht so einfach ist, ohne echten Plan zu überleben. So landet sie auf einem Jahrmarkt, bei einem Tierhändler und schließlich als possierliches neues Haustier in einer betuchten Familie, aber bei weitem nicht auf der Bühne. Sie lässt sich aber nicht unterkriegen und nutzt die Kontakte der Familie, um den Theaterintendanten zu beeindrucken, der sie doch tatsächlich in seinem Stück besetzen möchte. Über die Plakate hofft sie auch, wieder Kontakt zu ihrem Bruder zu bekommen. Als sie kurz vor ihrem Auftritt tatsächlich auf ihren Bruder trifft, muss sie sich entscheiden: beseitigt sie eine ihr bekannte große Gefahr für ihre Mäusefamilie im Rathausturm oder folgt sie dem Ruf der Bühne? Mopsa wäre nicht Mopsa, wenn sie nicht am Ende beides hinbekommen würde.

Die Geschichte handelt von Mut, Durchsetzungswille, Findigkeit, Geschwister- und Familienliebe und hat natürlich ein Happy End. Eigentlich tolle Themen für ein Buch für Vorschulkinder, wenn da nicht das Setting wäre. Es mag noch angehen, dass man die Mäuse vermenschlicht, das ist ja auch ein Grundprinzip von Fabeln. Aber die historische Komponente dürfte viele kleine Kinder überfordern. Die österreichischen Begrifflichkeiten, die Klassenordnung mit Personal und Gehorsam, die klischeehaften Rollen von Mann und Frau, all das passt nicht so recht zu einem Kinderbuch aus dem Jahr 2020. Wenn man schon positive Themen im Handeln von Mopsa besetzen möchte, warum muss das in so einer altbackenen und überkommenen Szenerie geschehen? Hinzu kommt, dass Handlungsstränge, Motive und Interaktionen einen gewissen geistigen Empfängerhorizont verlangen, den ich bei Vorschulkindern nicht zwingend unterstellen würde. Selbstleser hingegen dürften von der Geschichte mglw. nur wenig überzeugt sein, gerade weil sie schon mehr mit gesellschaftskritischen Themen konfrontiert sind oder Mopsas Verlangen nach der Bühne schlicht für unrealistisch erachten.

Insofern tue ich mir schwer mit dem Buch. Die Geschichte ist nett, die Spannung ist durchaus kindgerecht aufgebaut, Probleme und Lösungswege sind meist gut nachvollziehbar, die Illustrationen sind toll gelungen. Aber das Drumherum passt nicht, weder für ein Vorlesebuch für Vorschulkinder noch für ein Erstleserbuch.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 01.10.2020
  • Seitenanzahl: 192
  • Altersempfehlung: Ab 5 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-551-65222-5

Link zum Buch:

https://www.carlsen.de/hardcover/mopsa-eine-maus-kommt-ganz-gross-raus/978-3-551-65222-5

Montag, 5. April 2021

Sebastian Barry, Tage ohne Ende

Sebastian Barry, Tage ohne Ende, Steidl Verlag

Auch in seinem neuen Roman bleibt Sebastian Barry den Kriegswirren treu, diesmal aber im 19. Jahrhundert und in den Vereinigen Staaten. Protagonist ist Thomas McNulty, der zusammen mit seiner Zufallsbekanntschaft John Cole lange Jahre in der Armee verbringt und dabei von einem Konflikt in den nächsten geschickt wird: zuerst wird er in die Zivilisationskämpfe gegen die Ureinwohner verstrickt, später folgt der Sezessionskrieg gegen die Südstaaten.

Obwohl sich die beiden Jungs mitten im Nirgendwo in einer Notsituation begegnen, sind sie füreinander geschaffen: nicht nur als Freunde, sondern auch als Liebende. Barry thematisiert den Umgang mit der Homosexualität gänzlich unbefangen, gerade was die späteren Kasernensituation betrifft, aber weist auch deutlich auf die Grenzen der Akzeptanz hin, alles in dem von ihm gewohnten perlenden, bisweilen lakonischen Erzählstil, der den Leser von Beginn an abholt und mitnimmt. Thomas und John verdingen sich zuerst im jugendlichen Alter als Tänzerinnen für Bergleute, bevor sie dann bei der Armee anheuern. Eine bessere Zukunft haben sie ohne Familie, Schulausbildung oder sonstige Kenntnisse sowieso nicht. Die Konfrontation mit der körperlichen Mühsal des Soldatenlebens ist für die beiden nicht so dramatisch, aber dafür das Kennenlernen der menschlichen Abgründe, sowohl bei sich als auch bei den Kameraden, gerade wenn wie im Blutrausch Indianer abgeschlachtet werden. Die dabei entstehenden Verstrickungen aus Schlägen, Gegenschlägen, Racheakten und Vergeltungsaktionen beschäftigen die beiden über Jahre hinweg, schweißen die Männer aber auch für ein Leben lang zusammen, sodass Thomas und John am Ende ihrer Dienstzeit sogar mit einem ehemaligen Kameraden auf dessen Farm leben.

Das Buch ist aus der Sicht von Thomas geschrieben und entbehrt, bei aller Weisheit und philosophischen Weitsicht, die Barry in die Gedanken von Thomas McNulty legt, nie einer gründlichen Portion Naivität und Genügsamkeit mit dem Leben wie es eben so vor sich geht. Dies ergibt eine gesunde Mischung, die den Erzählstil am Leben erhält und die Geschichte trägt, denn es ist schon ein gutes Stück Lektüre, das Barry über den „wilden“ Westen des 19. Jahrhunderts verfasst hat. Auch die Wendung gegen Ende des Romans, als Thomas endlich ein Lebensziel ins Auge fasst und dieses auf Gedeih und Verderb verteidigt, dann aber am Ende zu scheitern scheint, und überraschend doch „gerettet“ wird, ist sympathisch und sorgt für ein versöhnliches Nachhallen der Erzählung, die nicht arm an Grausamkeiten gewesen ist.

Wie auch in seinen bisherigen Büchern – und das wie immer trotz der Übersetzung! – zieht Barry den Leser nicht nur mit seinem Erzählstil, sondern auch mit Wendungen, Beschreibungen, Sprachbildern und gekonnten Übergängen in den Bann, sodass man stets geneigt ist, innezuhalten und sich manche sprachliche Leistung noch ein- oder mehrfach durch den Kopf gehen zu lassen.

Insgesamt ein lesenswerter Roman, nicht packend, aber auf seine Weise eindringlich.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: September 2018
  • Seitenanzahl: 256 Seiten
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-95829-518-6

Link zum Buch:

https://steidl.de/Buecher/Tage-ohne-Ende-0213183846.html

Dirk Pope, Abgefahren

Dirk Pope, Abgefahren, Hanser Verlag

Der Titel ist so plakativ zweideutig, dass man sich über den Verlauf dieses etwas verqueren Roadtrips von Viorel am Ende gar nicht mehr wundert. Denn den stark übergewichtigen Jungen ereilt ein unerwarteter Schicksalsschlag, zusätzlich zu den Gemeinheiten, die das alltägliche Leben für dicke Menschen so bietet: er ist in der Schule ein Versager, sein Sozialleben beschränkt sich auf das Zusammensein mit seiner Mutter in der kleinen Wohnung in Essen und das Essen selbst ist sein einziger Zeitvertreib, dementsprechend seine Körperfülle. Nun aber stirbt die Mutter über Nacht und Viorel ist mit der Situation verständlicherweise überfordert. Die Mutter ist rumänischer Abstammung und er erinnert sich vage, dass sie sich gewünscht hat, in ihrer Heimat begraben zu werden. Also packt er die Leiche in den alten Corsa der Mutter, schnappt sich noch ihren Pass und ein paar Euro Ersparnisse und braust los Richtung Osten, obwohl er nicht einmal einen Führerschein hat. Schon ab hier wird die Geschichte etwas absonderlich, denn von hier an wird Viorel mehrere Tage ohne Schlaf auskommen und noch dazu nahezu ohne Fahrerfahrung hinter dem Steuer gen Rumänien fahren. Er nimmt unterwegs einen merkwürdigen Anhalter mit, bei dem schon die Anzeichen in Richtung draculesker Ereignisse vorgezeichnet sind. Mehrere Landesgrenzen passiert er ohne Hindernis, in Ungarn lädt er sich unversehens die zweite Leiche ins Auto und in Rumänien wird er dann Opfer einer merkwürdigen Attacke auf sein Fahrzeug, an deren Ende er sowohl das Auto als auch die zweite Leiche verliert. Offenbar temperatrurresistent (immerhin ist es kurz vor Weihnachten mit Schnee und Minusgraden in Rumänien) macht sich Viorel dann zu Fuß auf den Weiterweg und kommt überraschend wieder in den Besitz seines Corsas, allerdings ohne noch den Zündschlüssel zu haben. Doch am Ende wird ihm auch hier geholfen, sodass er an seinem vermeintlichen Ziel angelangt: der Wohnung seines Onkels, der ihm mit der Bestattung der Mutter behilflich sein soll. Ab dann aber, man erahnt es angesichts des noch offen stehenden Buchrests, wird es noch kurioser: der Onkel war gar nicht der Bruder der Mutter, sondern des längst verstorbenen Vaters. Stattdessen lernt er auf einmal die Nachbarschaft kennen und wird erstaunlich freundlich empfangen. Dass er ebendort mehrere Gläser Pflaumenschnaps trinkt und verträgt und danach weiter Auto fahren kann? – geschenkt. Jedenfalls beginnt ab dann der schöne Teil der Geschichte, denn seine Körperfülle ist auf einmal kein Hindernis mehr, die Menschen, die er kennen lernt sind warmherzig und hilfsbereit und wie nie zuvor fühlt er auf einmal Zuversicht, selbst wenn er die Leiche der Mutter noch bis zum Donaudelta kutschieren muss, wo ihre eigentliche Heimat war. Dort angekommen muss er aber wieder improvisieren, denn ohne Papiere geht nur etwas gegen Geld und davon hat er nichts mehr. Wie Viorel das Problem der Bestattung löst, ist dann durchaus abenteuerlich, und auch der fast schon romantische Ausgang der Geschichte bietet einen versöhnlichen Abschluss mit den Dracula-Elementen zuvor.

Man hat das Buch recht schnell durchgelesen, zwischendurch ergeben sich immer wieder Lacher, wenn Viorel seine Vorurteile mit der Realität ringen lassen muss. Man hat aber auch tiefstes Mitleid mit diesem verunsicherten Fettsack, dessen amateurhaftes Ringen um eine Lösung für seine tote Mutter und sich selbst einem Kampf gegen Windmühlen gleicht. Die Mischung zwischen Fiktion und Realität ist ein wenig arg konstruiert, aber es schadet der Geschichte am Ende nicht. In einem muss man Viorel aber zustimmen: man weiß viel zu wenig über Osteuropa und sollte sich wie er durchaus positiv überraschen lassen. Insgesamt ein nettes Buch, bei dem man ab und zu beide Augen zudrücken muss, wenn es ins Fantasyhafte übergeht, aber durch das große Maß an Menschlichkeit entschädigt wird.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 19.02.2018
  • Seitenanzahl: 240 Seiten
  • Altersempfehlung: Ab 14 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-446-25875-4

Link zum Buch:

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/abgefahren/978-3-446-25875-4/

Mac Barnett / Jon Klassen, Dreieck Quadrat Kreis

Mac Barnett / Jon Klassen, Dreieck Quadrat Kreis, NordSüd Verlag

Mac Barnett und Jon Klassen haben schon mehrere Kinderbücher zusammen geschaffen und nun liegt die Trilogie „Dreieck Quadrat Kreis“ vor. Es handelt sich um drei Bilderbücher, die eigenständig sind, aber in denen jeweils mindestens zwei der geometrischen Figuren vorkommen.

Die Zusammenstellung wirft bei mir Fragen auf. Denn die drei Bücher sind inhaltlich nicht kohärent, sodass sich mir der Sinn der Trilogie überhaupt nicht erschließt: keine der Geschichten knüpft an die andere an oder wird durch die jeweils andere bedingt. Dazu hätte es durchaus auf der Hand gelegen, jeweils alle drei geometrischen Charaktere interagieren zu lassen, was aber nicht geschieht. Darüber hinaus habe ich Zweifel an der Geeignetheit der Geschichte für die angegebene Zielaltersgruppe von 5-7 Jahren, also Kindern, die gerade in die Grundschule kommen. Die graphische Aufmachung spricht eher für ein Buch für Kindergartenkinder, die Geschichten erfordern aber Transferleistungen, die ich selbst manchem Erstklässler nicht zumuten würde, dazu später mehr. Insgesamt haben mich die drei Titel also nicht überzeugen können, weder als Paket noch als Einzeltitel.

Worum geht es in den Einzelbüchern? In „Quadrat“ wird beschrieben wie Quadrat aus seiner Höhle Klötze holt und zu einem Haufen auf einem Hügel schichtet. Kreis hält die Klötze für Kunst und möchte auch ein Ebenbild von sich, Quadrat sei ja ein „Genie“. Quadrat scheitert natürlich an der Aufgabe und ist verzweifelt. Über Nacht regnet es aber und Kreis bewundert am Morgen sein Spiegelbild im Wasser und hält das für das Werk von Quadrat, der sich am Ende fragt, ob er wirklich ein Genie ist. Was genau soll in dieser Geschichte die kindgerechte Botschaft sein?

In „Kreis“ spielen die drei Figuren Verstecken mit der Einschränkung, sich nicht hinter dem Wasserfall zu verstecken. Dreieck tut natürlich genau das und Kreis muss ihn dort im Dunkeln suchen. Er entdeckt in der Finsternis ein Augenpaar und spricht zu ihm tadelnd, als ob es Dreieck wäre, was aber gar nicht der Fall ist. Da taucht Dreieck auf und als sie merken, dass da noch ein weiteres Wesen in der Dunkelheit ist, flüchten sie aus der Höhle und sinnieren dann darüber, ob das Wesen in der Höhle gut oder böse war und welche Form es gehabt haben könnte. Es stellt sich dieselbe Frage wie oben, wenngleich hier schon eher transportiert werden kann, wie man mit Ängsten, Vorwürfen und dem Ungewissen umgehen kann. Ob das aber passender Stoff für Grundschuleinsteiger ist, wage ich doch stark zu bezweifeln.

In „Dreieck“ will dieser Quadrat einen fiesen Streich spielen, wobei über die Hälfte des Buches daraus besteht, dass Dreieck an dreieckigen Formen und dann an quadratischen Formen vorbeiläuft und später dieselbe Strecke zurück – wahnsinnig innovativ. Bei Quadrat angekommen, mimt er eine Schlange, Quadrat hat Angst, entdeckt Dreieck, ist sauer und verfolgt ihn zu dessen Haus. Dort bleibt er in der dreieckigen Tür stecken aber münzt das Missgeschick ebenfalls als Streich um, da er das Haus so verdunkelt und Dreieck deswegen Angst bekommt. Dieses Buch finde ich nicht nur so richtig einfallslos, sondern auch schlecht, was die Botschaft für die Leserschaft angeht: soll man sich rächen? soll man fiese Streiche spielen? Überzeugt mich überhaupt nicht.

Insgesamt komme ich deshalb zu dem Ergebnis, dass mir die drei Bücher weder einzeln noch als Gesamtpaket inhaltlich gefallen. Auch die Komposition als Trilogie bleibt fragwürdig. Graphisch ist es in Ordnung, von der Haptik her ebenfalls.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Seitenanzahl: 48 – 40 – Seiten
  • Altersempfehlung: Ab 5 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-314-10551-7

Link zum Buch:

https://nord-sued.com/programm/dreieck-quadrat-kreis-2/

Abigail Rayner / Molly Ruttan, Ich bin ein Dieb

Abigail Rayner / Molly Ruttan, Ich bin ein Dieb, NordSüd Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Das wunderbare Kinderbuch von Abigail Rayner und Molly Ruttan thematisiert ein in der Kindergartenzeit bis in die frühe Grundschulzeit virulentes Problem: das Kennenlernen von Mein und Dein, den Respekt vor dem Besitz bzw. Eigentum Dritter, das Widerstehen bei Besitzwünschen und die Frage nach den Konsequenzen für einen Verstoß dagegen, sprich für die Mitnahme von Dingen, die einem gar nicht gehören. Dabei stehen nicht nur reale Konsequenzen auf dem Tableau, also eine mögliche Bestrafung, sondern auch die psychische Verarbeitung des Geschehens im Kopf des Kindes.

Protagonistin des Buches ist die strebsame Elisa Jane Murphy, die eigentlich eine vorbildliche Schülerin ist, aber im Rahmen eines Klassenprojekts zur Farbe Grün schwach wird und ein Ausstellungsstück, einen funkelnden Stein, einfach einsteckt. Der Stein wird alsbald verzweifelt gesucht, aber natürlich verdächtigt niemand die immer brave Elisa. Die aber kann mit ihrer Handlung so gar nicht konform gehen: weder kann sie den neuen Besitz genießen noch sich unbefangen in ihrer Klasse oder zuhause bewegen. Alsdann beginnt die reflektierende Spurensuche durch Befragung der Familienmitglieder: haben diese auch schon etwas gestohlen? Nach und nach bemerkt Elisa, dass sie mit ihrem Fehltritt nicht alleine auf der Welt ist, sondern jeder einmal (oder sogar mehrmals) Dinge an sich genommen hat, die ihr oder ihm nicht gehört haben. Ist Elisa also Mitglied einer gewaltig großen Verbrecherbande? Keineswegs, aber das Ausweinen bei den Eltern und die Aussprache mit der Lehrerin am nächsten Tag sorgen für die Rückkehr des Lächelns in Elisas Gesicht.

Auf ganz spielerische Weise befasst das Buch die kleinen Leserinnen und Leser mit dem Tabu des Diebstahls und führt als Metathema zugleich ein, dass man eben nicht nur einen Charakterzug aufzuweisen hat, sondern eine durchaus vielschichtige Persönlichkeit hat, mit der man sich wohl oder übel arrangieren muss. Durch diese Kombination der Themen ist das Buch sowohl als Bilderbuch für Kindergartenkinder, aber auch als Diskussionsanstoß für Grundschulkinder geeignet. Eine echte Empfehlung.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Seitenanzahl: 40
  • Altersempfehlung: Ab 4 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-314-10470-1

Link zum Buch:

https://nord-sued.com/programm/ich-bin-ein-dieb/

Kerstin Hau / Julie Völk, Das Dunkle und das Helle

Kerstin Hau / Julie Völk, Das Dunkle und das Helle, NordSüd Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Das Kinderbuch „Das Dunkle und das Helle“ ist ein außergewöhnliches Buch. Nicht nur, dass es sehr schön und gefühlvoll illustriert ist, sondern die Geschichte spielt auch mit erstaunlich vielen Metathemen, hinter denen die eigentliche Geschichte manchmal ein wenig zu verschwinden droht. Das ist dann auch der einzige ernsthafte Kritikpunkt an dem Werk: die Altersempfehlung für Kindergarten- und Vorschulkinder teile ich nicht, sondern halte das Werk für Grundschulkinder geeignet, da deren Verständnishorizont für die verwendeten Gedankengänge und Metaphern schon eher empfänglich sein dürfte.

Die Geschichte beginnt mit krassen Gegensätzen: das Struppige sitzt in der Finsternis und sehnt sich nach dem Hellen. Das Zarte sitzt im Sonnenschein und gruselt sich vor der Dunkelheit. Beide nähern sich langsam der Grenze zwischen hell und dunkel und entdecken sich sogar. Aber das Zarte hat zunächst Angst, Kontakt aufzunehmen. Als es sich dann doch überwindet, werden die beiden zu Freunden und das Struppige besucht das Zarte sogar im Sonnenschein. Doch eines Tages ist das Zarte verschwunden, es wurde in die Dunkelheit gezogen und ist darüber sehr traurig. Gemeinsam schaffen sie es aber, diese neue Situation zu überstehen. Das Zarte lernt, dass die Dunkelheit und seine Bewohner gar nicht so schlimm sind. Und zusammen beschließen sie dann sogar, ein Haus im Hellen zu bauen, ohne die Finsternis ganz zu verlassen.

Das Buch eignet sich sehr gut, um die enthaltenen weiterführenden Themen mit Kindern zu besprechen: wovor hat man Angst? warum ist die Dunkelheit etwas Besonderes? was vermag Freundschaft zu leisten? wie geht man mit plötzlichen Veränderungen um? etc. Ob die Grundgeschichte für kleinere Kinder wirklich geeignet ist, wage ich ein wenig zu bezweifeln, siehe oben.

Die Illustrationen sind wunderbar gelungen und ermöglichen den kleinen Leserinnen und Lesern, die in der Geschichte angelegten Kontraste noch genauer zu erfassen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Seitenanzahl: 40
  • Altersempfehlung: Ab 4 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-314-10460-2

Link zum Buch:

https://nord-sued.com/programm/das-dunkle-und-das-helle/

Alexander Steffensmeier, Ein Platz nur für Lieselotte

Alexander Steffensmeier, Ein Platz nur für Lieselotte, Sauerländer Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Bei einem neuen Lieselotte-Buch darf man immer gespannt sein, welche Abenteuer sie diesmal erlebt – und welches kindertypische Thema der Autor diesmal verarbeitet. Im Hinblick auf Abenteuer ist es diesmal eher weniger an Action, die Lieselotte und ihre Freunde auf dem Bauernhof erleben. Dafür haben sie einiges zu tun, was das Miteinander angeht. Das wird den vorlesenden Eltern sicherlich mehr als ein Schmunzeln entlocken. Ob die kindlichen Leser und Betrachter sich aber mit der Geschichte genauso identifizieren können, muss ich offen lassen, denn die Erkenntnis, das Verhalten der Tiere mit dem eigenen Verhalten abzugleichen, dürfte eine Transferleistung sein, die eher Vorschulkinder abrufen können, nicht aber Drei- oder Vierjährige, für die die Lieselottebücher ja auch konzipiert sind.

Worum geht es? Die Tiere des Hofes streiten sich um ein neues Spielzeug, jeder will es haben und das möglichst lange. Die Bäuerin ist von dem Streit genervt und kassiert das Spielzeug ein. Die Tiere behelfen sich mit einem Gemeinschaftsspiel und spielen verstecken. Lieselotte findet nach und nach alle Tiere bis auf die Ziege und das Pony, die sich außerhalb auf der Wiese versteckt haben. Lieselotte entdeckt jedoch etwas ganz anderes und viel Besseres: einen großen Holunderbusch, der so wächst, dass man mittendrin eine gemütliche Höhle hat. Die will Lieselotte für sich und sucht schon Einrichtungsgegenstände zusammen, aber dann muss sie feststellen, dass Pony und Ziege den Busch auch entdeckt haben und für sich reklamieren. Lieselotte zieht erst einmal sauer ab, aber als sie Pony und Ziege dann im Bauernhof wiedersieht beginnt ein Wettrennen um den vermeintlich leeren Busch. Doch den haben inzwischen die Hühner besetzt. Pony und Ziege und Lieselotte sind verdattert und schmieden einen Plan: die Hühner müssen da raus. Also basteln sie gemeinsam eine Hühnervertreibemaschine mit lauter Musik, doch auf dem Weg zum Busch stolpern sie und der gemeine Plan scheitert. Zum Glück. Denn in dem ganzen Chaos, das nun vor dem Holunderbusch angerichtet ist, finden alle Tiere zu einem gemeinsamen Spiel zusammen und die Bäuerin freut sich aus der Ferne über ihre braven Tiere.

Der Streit um Spielzeug, sei es konkret oder abstrakt in Form einer auserdachten Wunschhöhle, ist ein Alltagsthema im Kindergarten (und auch später). Genauso aber finden Kinder trotz des Streits immer wieder in unterschiedlichen Koalitionen zusammen und manchmal am Ende sogar zu einem großen gemeinsamen Spiel. Solche Schlüsselszenen des Kindergartenalltags fängt Alexander Steffensmeier treffend ein und untermalt die Geschichte wie immer mit detailreichen Illustrationen. Im Gegensatz zu sonstigen Lieselotte-Büchern erachte ich diesmal aber wie oben schon angedeutet die Rezeption für die jüngeren Leserinnen und Leser für anspruchsvoller, da sie eine Transferleistung auf das eigene Verhalten im Kindergarten oder ggf. in der Familie erbringen müssen. Im Gegensatz zu anderen Bänden, wo schon Lieselottes Verhalten an sich lustig ist und die Transferleistung sich anschließt, ist diesmal das Hin und Her rund um den Busch nicht so spannend oder lustig, als dass man mit Garantie vom Gefallen der kleineren Leser ausgehen könnte, zumal sich kleine Testleser entsetzt darüber gezeigt haben, dass und wie intensiv in dem Buch gestritten wird. Es ist und bleibt trotzdem ein schönes Kinderbuch, aber es fällt zu den sonstigen Lieselotte-Bänden in der Konzeption doch ab.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 25.09.2019
  • Seitenanzahl: 32
  • Altersempfehlung: Ab 4 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-7373-5653-4

Link zum Buch:

https://www.fischerverlage.de/buch/alexander-steffensmeier-alexander-steffensmeier-ein-platz-nur-fuer-lieselotte-9783737356534

Miriam Holzapfel, Das Bessermacher-Buch

Miriam Holzapfel, Das Bessermacher-Buch, Coppenrath Verlag

Im 2019 im Coppenrath Verlag erschienenen „Bessermacherbuch“ wird in platzverschwenderischer Weise – sprich: das Buch mit seinen 124 Seiten hätte man auch gut auf die Hälfte schrumpfen können; auch ein Gedanke zum Thema Umweltschutz, der in diesem Buch doch eher groß geschrieben wird… – der Versuch unternommen, jungen Menschen gedankliche und praktische Hilfestellungen zu geben, um sich für ihre Ziele stark zu machen und kleine, vielleicht sogar große Erfolge für diese Ziele zu erreichen. Die Autorinnen sind in Hamburg tätig und die großstädtische Sicht der Vorschläge dringt immer mal wieder durch: manche der Ideen sind auf dem Land einfach so nicht umsetzbar. Dass dieser Aspekt vernachlässigt wurde, zeigt, dass das Buch an einigen Stellen mit mehr Sorgfalt hätte geprüft werden müssen. Das kann aber in einer zweiten Auflage behoben werden.

Die insgesamt 75 Vorschläge werden eingeleitet mit einigen Grundregeln und werden dann thematisch sortiert sowie nach Schwierigkeitsgrad der Umsetzung. Es finden sich Vorschläge für das eigene Verhalten, aber auch für gemeinnützige Aktionen (höflich und nett zu anderen sein; überflüssige Dinge verschenken; Dienstleistungen kreieren und anbieten; Streit aus der Welt schaffen; sich mit anderen oder in einer Organisation engagieren; sich überhaupt informieren und sein Interesse an Erklärungen kundtun; Energie sparen; bewusst einkaufen; Müll sammeln etc.). Diese können sich in der näheren Umgebung, sprich im eigenen Haushalt, in der Nachbarschaft oder in der Schule abspielen, aber durchaus auch in weiterer Umgebung, etwa in der eigenen Stadt, überregional oder im Internet. Ergänzt werden die Vorschläge am Ende um die Adressen von Organisationen mit sozialem oder umweltbewusstem Fokus sowie mit speziellen Organisationen für Kinderbelange.

An dem Buch stören mich einige Details. So wird das Vorwort von einem Herrn „Malte Arkona“ verfasst. Wer ist das denn? Kein Wort dazu, keine Erklärung. Die google-Recherche ergibt dann: Aha, ein KiKa-Moderator. Ist die Zielgruppe des Buches ein KiKa-Publikum? Nicht wirklich.

Des Weiteren ist mir die Sprache bisweilen, gerade in den Illustrationen, zu hemdsärmelig. Die Kinder sollen sich ernsthaft mit wichtigen Themen befassen und dafür Freizeit aufbringen, Engagement zeigen und dabei aber auch glaubhaft rüberkommen, sprich auch erwachsene Mitmenschen überzeugen. Die muss man durchaus auf ihrer Sprachebene abholen und nicht mit Sprechblasen wie „Skaten statt haten“ und anderem Unsinn, oder mit der Verwendung des präfixes „super-“ vor Adjektiven abschrecken.

Schließlich empfinde ich, dies aufgrund der Erfahrung nach meiner Tätigkeit in vielen gemeinnützigen Vereinen und Fördervereinen, manche Vorschläge für zu simpel und oberflächlich: es wird suggeriert, dass man mit Aktionen Dinge bewirken oder Geld einnehmen könnte, die aber schon bei gut organisierten Vereinen auf wenig Widerhall oder Mitwirkung stoßen. Hier könnte sich also ein großes Frustpotential aufbauen.

Insgesamt ist der Eindruck zum Buch aber verhalten positiv: viele Kleinigkeiten können die Grundeinstellung auch schon von Kindern zu sich und ihrer Umgebung verändern. Das kostet aber Zeit und Kraft, gerade im Teenager-Alter, wenn man die Welt verändern möchte, aber ziemlich intensiv mit sich selbst beschäftigt ist. Manchmal braucht es einen Impuls von außen, um das eigene Verhalten zu verändern, selbst wenn die Botschaften des Buches den Kindern von den eigenen Eltern schon tausendfach vorgebetet worden sind. Insofern erachte ich das Buch für ein wichtiges Hilfsmittel für Kinder ab ca. 8-9 Jahren, um sich zu informieren und für sich zu entscheiden, ob und inwieweit sie sich überhaupt engagieren und verändern wollen. Selbst wenn es nur kleine Schritte sind, ist das wertvoll. Deshalb kann man über die Mängel des Buches mit einem Lächeln hinwegsehen und – gerne und am besten gemeinsam mit den eigenen Kindern – die besten Vorschläge aus dem Buch herausziehen und umzusetzen versuchen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Seitenanzahl: 128
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-649-63383-9

Link zum Buch:

https://www.spiegelburg-shop.de/produkt//63383/das-bessermacher-buch/